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Die nordische Göttin Hel (Versuch einer Interpretation und was für mich dahinter steht)

Hel (Hella, Hellia, nord. „Hölle“), ist die Göttin der Unterwelt und des Todes in der nordischen Mythologie. Sie ist die Tochter des Gottes Loki und der Riesin Angrboda.
Sie herrscht über das Reich Helheim, die Unterwelt der nordischen Mythologie. Ihre Brüder sind der Wolf Fenrir und die Midgardschlange Jörmungandr.
Odins Pferd Sleipnir ist ihr Halbbruder.
Hel ist für mich persönlich meine „Lieblings“ Göttin in der nordischen Mythologie, sie fasziniert mich am meisten. Das liegt zum einen daran, dass ich ihre Dualität mag und diese für mich mythologisch auch nachvollziehbar und schlüssig ist. Zum anderen entdecke ich immer wieder starke Parallelen zwischen ihr und meiner germanischen Lieblings Göttin Holle. Wie auch die Holle lebt Hel im Verborgenen Aber ihr Geist und ihr Wirken ist bis in die heutige Zeit noch spürbar. Sie kann sowohl gnadenlose Todesgöttin sein, als aber auch behütende, gebende und beschützende Muttergottheit.
In beiden liegt sowohl das „Geboren“ werden, als auch das „Sterben“ in einer Einheit.

Es ist Herbst, die Zeit im Jahr, in der wir merken, dass die Dämmerung immer früher hereinbricht, es wird langsam kühler und die Nacht stiehlt bei jedem weiteren Tag ein paar Minuten. Es wird langsam Winter.
Dies ist die Zeit der nordischen Göttin Hel. Um zu verstehen, wer Hel ist, welche Eigenschaften sie hat und was sie darstellt, ist es wichtig, etwas über den Jahreslauf aus der alten nordischen Weltanschauung zu erfahren.
Unsere nordischen Vorfahren teilten das Jahr in drei Jahresabschnitte ein, die sich in immer wiederkehrenden Kreisen fortführen: den Frühling, den Sommer und Herbst/Winter.
Den Herbst und den Winter betrachteten Sie als eine Einheit . Genauso, wie es drei Himmelsgötter in der nordischen Mythologie gibt, die sich über das Jahr abwechseln, gibt es drei Erdgöttinnen, die über jeweils eine Jahreszeit, herrschen . Es sind dies Freya für den Frühling, Frigg für den Sommer und Hel für den Herbst/ Winter.
Die Eigenschaften der Göttinnen spiegeln sich auch in diesen Jahreszeiten wieder.
Der Frühling symbolisiert Schönheit, Wachstum und Kraft, der Sommer Reichtum und Fülle und die winterliche Jahreszeit Zurückgezogenheit, Tot und Vergänglichkeit, aber auch Erneuerung.
Die Zeit im Jahr, an der Frigg die „Herrschaft“ an Hel abgibt, liegt also hauptsächlich im Monat Oktober, welcher seinen Abschluss mit Samhain findet.
Die nun folgende Jahreszeit steht bzw. stand unter dem Motto des Zurückblickens und des Verinnerlichens. Wenn jemand etwas „verhehlt“, so verbirgt er etwas und genau das taten die Menschen damals. Sie verbargen sich in ihren Häusern und an langen Winterabenden vor dem prasselnden Herdfeuern, verinnerlichten Sie die Erlebnisse des vorangegangenen Frühlings und Sommers.
Das Totenreich und seine Herrin Hel, die beide den gleichen Namen tragen, werden verschiedentlich in den nordischen Überlieferungen erwähnt.
Eine Textstelle gibt es im Gylfaginning, in der Hel eher „negativ“ beschrieben wird, Hels Halle wird dort als die „Feuchte“, ihr Essteller als „Hunger“, die ihr Bediensteter als „der Langsame“ bezeichnet.
Diese Bezeichnungen jedoch passen schon stilistisch nicht in die Dichtung der alten „Nordmenschen“, sondern sind typische Elemente der christlichen Literatur des Hoch- bzw. Spätmittelalters.
Deutlich wird dieseVerfälschung dieser Erwähnung auch durch eine Passage, die ebenfalls im Gylfaginning steht und sich auf die Mythologie bezieht. Zum besseren Verständnis sei dieser Mythos kurz erwähnt: Baldur wird nach der Sommersonnenwende von dem blinden Hödur versehentlich durch einen Pfeil getötet und kommt so in das Reich der Hel. Baldurs Bruder Hermodr reitet zu Hel, um die Herausgabe Baldurs zu erbitten. Er findet Baldur gesund und munter auf einem Ehrenplatz sitzen. Es scheint irgendwie einsichtig, dass der Ort, an dem Baldur, der lichteste und schönste aller nordischen Götter, auf einem Ehrenplatz sitzt, nicht so unangenehm sein kann.
In der Völuspa, einem der ältesten und damit aussagekräftigsten Lieder, wird Helheim als „okolnir“, d. h. „unkalter Ort“ beschrieben.
Eigentlich leuchtet es ein, dass unsere nordischen Vorfahren, welche überwiegend einer rauhen Witterung ausgesetzt waren, ein lauer, angenehmer, warmer Ort durchaus freundlich erschienen sein muss. Das Totenreich Helheim ist also ein Aufenthaltsort, an den diejenigen kamen, die an Krankheiten oder Altersschwäche gestorben waren und indem diese Menschen die Zeit zwischen zwei Leben verbrachten, damit beschäftigt, ihr altes Leben aufzuarbeiten und sich auf das neue vorzubereiten. Baldur starb zwar auf eine andere Art nämlich durch einen Mistel- Pfeil, aber die Mistel öffnet schon in der keltischen Mythologie und auch in vielen anderen antiken Überlieferungen, das Tor zur Unterwelt.
Die Göttin Hel ist also eher die dunkle Erde, das Moor. Sie nimmt das Leben auf und erneuert es. Wie das Moor kann sie den Tod bedeuten, ist aber auch wie das Moor ist sie sehr fruchtbar und bringt immerwährend neues Leben hervor.
Vielleicht ist es auch so, dass wir alle nur dann ein zufriedenes und ausgefülltes Leben, auch in unserer heutigen und hektischen Zeit, nur dann führen können, wenn wir Leben und Tod, als Teile eines Ganzen erkennen und verstehen, diese akzeptieren und ein Stück weit Leben.
Des Weiteren finde ich sehr interessant, dass die Rune Hagalaz der Göttin Hel zugesprochen wird, die Rune der Zerstörung und der Wiederentstehung.
Die Bewusstheit, dass etwas zerstört werden muss, um etwas Neues zu erschaffen, zieht sich durch die ganze, nicht nur durch die nordische Mythologie.
Besonders in der Erzählung von Ragnarök. Dieser Mythos ist wichtig zum Verständnis der Göttin Hel und der ihr zugesprochenen Rune. Deshalb liegt diese Rune auch zwischen den Runen Kenaz (Feuer) und Isa (Eis) und erinnert an den nordischen Schöpfungsmythos. Beide haben zerstörerische Kräfte in sich, doch zusammen schufen sie nach der Vorstellung der nordischen Völker einst die Welt. Die Verbindung von zwei Balken durch einen Querbalken stellt genau dieses Zusammenwirken der Kräfte im Runensymbol dar. Das Hagelkorn stellt ein Symbol für das „Raureifkorn“ dar, das Ymir, den Ur-Riesen des Raureifs enthält.
Der Ur-Riese Ymir Endstand aus der Kreuzung des Weltenfeuers von Muspelheim und dem Welteneis von Niflheim. Diese Rune enthält das Grundmuster des gesamten Seins.
Hagalaz ist insoweit ein Hinweis auf etwas Neues. Nur wer auch loslassen kann, hat die Hände und den Geist frei für Neues. Allerdings ist diese Handlung sehr oft mit leider negativen Erfahrungen verbunden. Diese Rune beschreibt die ewige kosmische Harmonie in der nordischen Religion, und in der Mythologie stellt die Zahl 9 die heiligste und geheimnisvollste aller Zahlen dar. Die fälschlich als Weltenesche bezeichnete immergrüne Welteneibe Yggdrasil besteht aus neun Welten, Odin hing neun Nächte lang an jenem Baum um die Runen zu empfangen, der Gott Heimdall wurde von neun Müttern geboren und so weiter und so weiter. Es ist die Zahl der Vollendung, die zu einer Expansion von Macht und Produktivität führt. Hagalaz ist die Mutter der Runen einerseits aufgrund ihres numerischen Wertes, andererseits wegen ihres Formsymbolismus.
All dies lässt sich auch auf die Dualität der Göttin Hel anwenden.
So wie ihr Reich Helheim ist, so ist auch Hel auf der einen Seite abscheulich und hässlich. Ihre eine Körperhälfte ist völlig verwest und verrottet, aber dafür ist ihre andere umso schöner. Hel wird oft auch als weiß/schwarze Göttin bezeichnet.
Um nocheinmal auf die Beschreibung ihrer Heimstatt zurückzukommen, heißt ihr Thronsaal auch „Eljudni“, was soviel wie „Plage“ bedeutet.
Auf ihrem dreibeinigen, grauen Totenpferd „Helhesten“ soll sie die Toten holen und nach Helheim bringen. Sie ernährt sich dort von den Körpern derer, die zu ihr geschickt werden. Sie zerbricht ihre Knochen und leckt das Mark heraus. Von den Toten, die zu ihr kommen, nährt sich auch der Drache Nidhöggr.
In ihr Reich kommen alle, die einen unehrehaften Tod, bzw an Krankheiten und Alter gestorben sind. Sie müssen auf ewige Kälte, Schmerz und Hunger leiden und Hel hält sie unerbittlich in ihrem Reich fest. Dieses Reich bzw. seine Darstellung wurde vom Christentum übernommen und so zur Hölle, dem Reich der ewigen Verdammnis. Das englische Wort für Hölle „hell“ ist hieraus, wie wohl jeder inzwischen weiß, entstanden.
Es gibt aber auch eine andere Auffassung bzw Darstellung der Hel, die mir persönlich besser gefällt.
In selbiger kommt das Wort Hel von „helen“ , bedeutet also: „es unsichtbar“ machen. Hel wirkt so als eine verborgene Göttin. Fern vom Licht der Sonne liegt ihr Heim Helheim. Hier ist der Ursprung allen Seins und Lebens, und hierher kehrt es auch wieder zurück. Hel ist also die Göttin der Unterwelt, der Fruchtbarkeit, der Geburt und des Todes, sowie auch die Mutter allen Lebens.
Hier ist Hel demnach quasi eine Verwandte der Schicksalsgöttinnen, der Nornen. Sie ist auch hier die Herrscherin des Totenreiches Helheim. Aber im Gegensatz zu der ersten Auffassung ist Hel nicht von Grund auf böse, sondern gerecht. Sie belohnt und bestraft jeden nach seinem Verdienst. Dem Guten erscheint sie freundlich und milde, aber den Bösen als eine unerbittliche, grausame Rächerin und Richterin.
Die Guten kommen in ihre reich geschmückten Hallen, dort geht es ihnen gut und es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken. Die Bösen jedoch werden in die Hallen des Schreckens und der Pein verwiesen. Hier ist ein finsterer und schlammiger Fluss der dort hindurchfließt. Darin sind scharfe Schwerter und Lanzen verborgen. In diese werden die Verdammten hinein getrieben und übelst zugerichtet. Eine andere Halle ist mit giftigen Schlangen bedeckt. Diese speien Gift auf die Sünder herab. In einer anderen befindet sich ein riesiger See aus ätzender Säure, durch den die verdammten ewiglich waten müssen.

In den vergangenen Jahren habe ich mich schon einige Male versucht dieser Göttin fotografisch zu nähern, bisher hatten mich die Ergebnisse aber nicht völlig überzeugt und haben nicht das vor meinem inneren Auge befindliche Bild und Vorstellung wiedergegeben.
Nun ist mir das erstmals zu einem sehr großen Teil gelungen und ich bin mit den Ergebnissen aus diesem für mich recht wichtigen Teil meines Projektes der nordischen und germanischen Mythologie sehr zufrieden und glücklich.

Nicht zuletzt möchte ich meinem Model Suzy sehr für ihre Leidensfähigkeit und Geduld während des Shooting danken, ohne sie wäre es nicht Möglich gewesen.

 

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